Steyr Puch Freundeskreis Deutschland

Die Legende lebt

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STEYR PUCH KAUFBERATUNG

Es geht wieder bergauf mit kleinen Autos. Der Abstieg vom Familienauto über den Einkaufsporsche zur Studentenkiste ist zum Stillstand gekommen. Der Tiefpunkt war sicherlich in den 70er Jahren eingetreten. War etwas defekt oder der Rostbefall zu weit fortgeschritten, wurde einfach mit einem "großen Braunen" für Ersatz gesorgt. Es sollte also dem Kaufinteressenten bewußt sein, daß heute angebotene Fahrzeuge eine bewegte Vergangenheit hinter sich haben. Zehn Vorbesitzer und mehr sind deshalb keine Seltenheit und deshalb darf von regelmäßiger Wartung eines frisch erworbenen Auto´s nicht automatisch ausgegangen werden. Viele Steyr Puch landeten in Scheunen oder auf Schrottplätzen. Einige, der getunten Versionen, hauchten ihr Leben in Straßengräben aus, wenn mal wieder zu wenig Straße am Ende der Kurve war. Trotzdem haben auch in Deutschland sehr viele Fahrzeuge überlebt, die wirklich gut restaurierten werden aber kaum auf dem Markt angeboten. Wer trennt sich auch schon gerne von seinem ans Herz gewachsenen "Alpen-Carrera ".

Ein Steyr Puch ist immer Liebe auf den ersten Blick. Die frühen Modelle mit 493 ccm, knapp 20 PS und 5 Liter Spritverbrauch, einem langen Faltdach, das man inklusive Scheibe herunterrollen konnte, stellen auch heute noch eine echte Alternative dar. Auf den zweiten Blick, sofern etwas Restaurierbares gefunden wurde, sollte man sich darüber im Klaren sein, daß es großer Schaffenskraft, reichlich Zeit und sehr guter Nerven bedarf, um ein Steyr Puch-Auto in einen ordentlichen, bis ko mpromißlos guten Zustand zu versetzen. Die hierfür notwendigen finanziellen Mittel übersteigen in der Regel immer noch den handelsüblichen Marktwert. Deshalb gilt die Devise, sollte ein schönes Fahrzeug angeboten werden:

Nicht lange zögern, Geld einstecken, verhandeln und kaufen. Um großen Enttäuschungen zu entgehen, gelten die folgenden Tips. Also, kleiner Rundgang um das Objekt der Begierde: Zuerst Sichtkontrolle außen, Risse im Verdeck, Gummidichtungen an Fenstern und Türen, Passung der Hauben und Türen. Achtung, frühe Modelle mit der Türaufhängung in der B-Säule neigen zu absackenden Türen. Das passiert bei den Modellen ab 1966 nur dann, wenn die A-Säule durchgerostet ist. Vorsicht, da lauert die Fäulnis, denn sowohl Türunterkante, als auch die Türschweller und Radläufe rosten gerne von innen durch. Schlechte Blechqualität, damals nichtbekannte Rostvorsorge und Salzstreuorgien im Winter, haben die meisten Steyr Puch-Karosserien gezeichnet. Das Auto sollte also glatt lackiert sein und gute Passungen haben. So, nun die Haube und die beiden Türen auf: Kofferraumboden und Reserveradmulde genau betrachten. Riecht es nach Sprit, ist der Tank o.k.? Stoßdämpferaufnahmen prüfen, no Gilb please. Elektrik ? Kein Kabelsalat, bitte.

Nun zum Inneren: Sitze und die hintere Sitzbank hochklappen, Schweller, Bodenbleche und Schweißnähte kontrollieren. Vorne im Fußraum besonders auf die Pedalaufhängung am Schottblech und die Haltebleche der Radaufhängungen in den Radkästen achten. Dort wurden mehrere Bleche übereinandergeschweißt und nicht richtig abgedichtet. Eine fachgerechte Reparatur ist sehr zeitaufwendig. Jetzt noch das Lenkspiel prüfen, die Sitze zurückklappen,und fertig. Der Karosseriezustand ist das "A und O" des Autos und stellt den größten Kostenfaktor bei der Restauration dar. Ein typischer Schwachpunkt beim Steyr Puch stellt die gesamte Vorder-achse dar. Spurstangenköpfe, Querlenker mit Buchsen und die Gummis in den Halterungen für die Blattfeder gilt es zu überprüfen oder besser gleich auszutauschen. Wer möchte, kann, zwecks exakterem Spurverhal ten, einen Blattfederstabilisator einbauen. Die Achsschenkel sollten alle 1000 km abgeschmiert werden, da sonst ein jährlicher Tausch fällig wird. Sämtliche Teile der Vorderachse sind als Fiat-Ersatzteile erhältlich und für kleines Geld zu erwerben. Das Steyr Puch-Getriebe und seine Aufhängung sind sehr robust und im Alltagsverkehr gibt es so gut wie keine Probleme. Einziger Schwachpunkt sind die Bolzen in den beiden geteilten Halbachsblechkörpern. Man sollte deshalb direkt an den Hinterrädern prüfen, ob sie sich spürbar nach vorne und hinten bewegen lassen. Um wieder eine einwandfreie und genaue Hinterachsführung zu erhalten, ist der Austausch durch die neueren Kunststoffbuchsen zu empfehlen. Wer will, kann auch da einen, in der Steyr Puch-Szene erhältlichen, Hinterachsstabilisator einbauen. Das Autoquariat in Wien (Ansprechpartner, Herr Etzersdorfer) hält auch noch einen Getriebestabilisator zur Abstützung bereit. Volle Wirkung auf das Fahrverhalten der Hinterachse bekommt man aber nur, wenn gleichzeitig auch ein Motorstabilisator (zu beziehen bei Firma Robert Prokschi) angebracht wird. Der Steyr Puch-Motor gilt im Allgemeinen als sehr wartungsfreundlich und unverwüstlich. Ventilspiel, Zündkerzen und Unterbrecherkotakte sowie Ölstandskontrolle, das war´s dann schon. Mit der Zeit sollte aber der Motor neu abgedichtet werden. Durch die geringe Stückzahl, der verkauften Steyr Puch-Exemplare, sind einige Ersatzteile knapp und teuer geworden. Mitglieder des Steyr Puch-Freundeskreises Deutschlands und die Firma Autoquariat in Wien/A. sind um die Nachfertigung bemüht. Für Steyr Puch-Auto`s ab Baujahr 1968 stehen nicht mehr alle Teile zur Verfügung. Da vieles aus dem Fiat-Ersatzteilbestand (Karosserie-, Glas-, Gummiteile und Beleuchtung) kommt und für wenig Geld auf diversen Oldtimermärkten zu finden ist, kann von einer allgemein guten, sicheren Ersatzteilversorgung gesprochen werden. Der preiswerte Kleinwagen, wie vor Jahrzehnten noch, ist das Puch-Auto mit Sicherheit nicht mehr. Ein toprestaurierter, originaler Steyr Puch, Modell 650 TR II (Originalstoßstangen) mit Monte Carlo Auspuffanlage, ca. 40 PS und allen technisch möglichen Verbesserungen, wird im Jahr 2008 sicherlich nicht unter 22.000 Euro zu erhalten sein. Dafür erhält man als Gegenleistung jede Menge Power und Fahrspaß - und die Gewissheit immer als Blickfang mit einem Ferrari in Konkurrenz treten zu dürfen.

Exoten bleiben eben unter sich!

Georg Hummel

im Dezember 2007

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 12. August 2009 um 08:28 Uhr